Zeitungsbericht der Mitteldeutschen Zeitung

Bester Lehrling

Als Zielprämie Opas Zylinder - 05.01.2001

Per Videotext zum Stellenangebot-Thomas Klaube: Gut sein allein reicht heute nicht

Oberröblingen/MZ/sro. Das Zappen im Videotext brachte Thomas Klaube auf die Seite der Stellenangebote. Da suchte ein Bezirksschornsteinfeger aus Sangerhausen einen Lehrling. Voraussetzung: gute Zensuren. „Wieso braucht man als Schornsteinfeger gute Zensuren? "fragte er etwas ungläubig seine Eltern. Und noch bevor diese so richtig den Gedankengang ihres Sohnes nachvollziehen konnten, war der schon beim Arbeitsamt und holte sich die notwendigen Informationen. Der „saubere Büroberuf", in dem er noch sein schulisches Praktikum absolviert hatte, wurde ab sofort ad acta gelegt und die Bewerbung für den „schwarzen" Beruf angefertigt.

„Natürlich war es beim ersten Mal ganz schön wacklig."

THOMAS KLAUBE SCHORNSTEINFEGERLEHRLING


Die Oma stellte auch gleich eine Zielprämie: „Wenn du die Prüfung schaffst, kriegst du Opas guten Zylinder." Den ist sie mittlerweile los. „Etwas skeptischer waren die Eltern", erinnert sich Thomas an die Bewerbungszeit. Besonders die Mutter hatte Angst, wenn ihr im Dorf wieder einmal zugetragen wurde: „Dein Jüngster stand wieder auf dem Dach." „Natürlich war es beim ersten Mal ganz schön wacklig", gibt Thomas offen zu. „Und wenn es im Herbst stürmisch war, wurde ich des Öfteren gefragt ob ich nicht lieber einen Bleisack umhängen wollte." Das Arbeitsbild des Schornsteinfegers geht aber immer mehr vom schwarzen Beruf weg. Die Umstellung auf andere Energieträger bringt auch eine Veränderung der Arbeit des Schornsteinfegers mit sich. Die körperlich schwere Arbeit, das Kehren und Reinigen der Schornsteine, tritt immer mehr in den Hintergrund, gleichzeitig gewinnen Emissionsmessungen und Überprüfüngen an modernen Feuerungsanlagen an Bedeutung. Die fachmännische Kundenberatung wird immer mehr gefragt. Diese neue Vielseitigkeit kommt dem jungen Mann entgegen. Die gewählte Ausbildung wurde für Thomas Klaube zur Berufung. Er denkt gern an die Lehrzeit bei Bezirksschornsteinfeger Martin Fehn und dessen Gesellen Steffen Juszczyk (»Juschi") zurück.

Fehn hat noch immer die Ausbildungsmappe seines ersten Lehrlings im Regal stehen und zeigt sie auch mit Ausbilderstolz. Ein halbes Jahr früher als seine Mitlehrlinge konnte Thomas Klaube auslernen. Das gab ihm einen kleinen Vorsprung bei der Suche nach einem Arbeitsplatz. „Gut sein reicht heutzutage allein nicht," musste er bald feststellen. Im Sangerhäuser Einzugsbereich haben die Meister seines Fachs alle einen Gesellen. Die Strukturen der festgelegten Kehrbezirke machen Ausnahmen nicht möglich. Hinzu kommt, dass durch Abriss leerstehender Wohnblocks dem Berufsstand förmlich die Grundlage entzogen wird. Das Suchen war letztendlich doch erfolgreich. Einen befristeten Arbeitsvertrag bekam er bei einem Meister im Saalkreis, weil dessen Geselle den Wehrdienst absolviert.Thomas Klaube hat sich statt dessen für den Ersatzdienst bei der Freiwilligen Feuerwehr Oberröblingen entschieden. Hier engagiet er sich seit frühster Jugend. Weiterbildung steht dort für ihn immer auf der Tagesordnung, denn als zuständiger Jugendwart ist er für die Ausbildung des Nachwuchses zuständig. Auch die Kinder von Meister Fehn und die von dessen Gesellen „Juschi" verdienen sich unter seiner Anleitung die ersten Feuerwehrsporen. Inzwischen zog etwas Ruhe ein in Thomas Klaubes Berufsleben. Denn die Wochen nach der Freisprechung waren für ihn mit Terminen gefüllt. Nachdem er Landessieger in Sachsen-Anhalt geworden war, ging es zum Bundesausscheid nach Branden-burg.

Als bester Ostdeutscher belegte er den fünften Platz. Dafür gab es zur Innungsversammlung auch noch eine Auszeichnung. Und so wünscht man den jungen Mann das Glück, welches das Volk automatisch mit dem „schwarzen Mann auf dem Dach" verbindet